DAS LEBEN HINTERM MASCHENDRAHTZAUN

dies wird ein etwas laengerer eintrag werden.  wer keine langen eintraege lesen mag oder wen dieses thema nicht interessiert,  den bitte ich diesen eintrag einfach zu uebersehen.

wer meinen blog kennt weiss, dass ich sozusagen mit der US Army aufgewachsen bin. mein dad wurde anfang der 70’er jahre mit dem militaer nach deutschland geschickt und wir, die familie zog mit.

die viele umzieherei bedingt durch die Army, war fuer uns als militaerfamilie ja nichts neues, man gewoehnt sich einfach an so ein leben. doch als wir nach deutschland  versetzt wurden hatte das irgendwie einen anderen beigeschmack. ich kannte Deutschland ja eigentlich nur von den etlichen besuchen bei meiner oma, meiner onkels und tanten her.  das war doch ganz was anderes als in deutschland leben zu muessen. genau genommen waren wir 3 1/2 jahre in good ol’ Germany stationiert und wie habe ich in dieser zeit das land lieben gelernt. ich war zu der zeit fast 13 jahre alt, steckte also in einem eher schwierigen alter, war  launisch, zickig, rebellisch und obendrein auch noch ziemlich dickkoepfig koennte man sagen. wie ein teenager halt so ist.

ich wollte zu der zeit nicht unbedingt in deutschland leben. die ferien dort zu verbringen war ja okay, aber da leben? nein, das wollte ich nicht. meine schule und meine freunde in der heimat  zuruecklassen zu muessen war fuer mich das schlimmste was ich mir ueberhaupt vorstellen konnte. man sagte mir, dass es in dem ort eine military base geben wuerde….eine kaserne sozusagen und dort wuerde es alles geben wie zu hause auch, nur nannten sich die geschaefte dort etwas anders. der supermarkt war die” commisary” ….das kaufhaus wurde “PX” genannt (post exchange) die cafeteria hiess einfach nur  “snack bar”  und daneben befand sich gleich noch das “food land” wo man im kleinen stil lebensmittel, etwas obst und auch snacks kaufen konnte, denn fuer grosseinkaeufe war ja die commisary da.  das geschaeft in dem es alcohol zu kaufen gab nannte sich “class 6” die apotheke war die “dispensery”

natuerlich gab es da auch eine amerikanische schule, (elementary und high school)  eine kegelbahn, ein kino, einige clubs, eine kirche, eine bank, eine reinigung, eine schneiderei, ein buechergeschaeft, einen sportplatz usw.

das alles gab es in einer kaserne. wenn man in der kaserne wohnt, heisst es man lebt  “on post” wir hatten gleich nach unserer ankunft in deutschland leider nicht das glueck gehabt in “quarters” einziehen zu koennen, das heisst in eine wohnung in der amerik. wohnsiedlung zu wohnen (government housing) da musste man erst mal auf eine warteliste  und es konnte mitunter monate dauern bis eine wohnung in der kaserne frei wurde. da wir aber irgendwo leben mussten, blieb uns nichts anderes uebrig, als eine wohnung im ort, ca. 3 km ausserhalb der kaserne zu suchen. und die fanden wir ziemlich schnell.

mein dad bekam mietzuschuss von der armee und so konnten wir uns eine sehr  nette wohnung mitten in der stadt leisten. unsere wohnung lag im zweiten stock direkt an der hauptstrasse. die wohnung war sauber und gross genug fuer meine eltern mit uns”kleiner rasselbande ” im schlepptau.

der einzigste nachteil: wir wohnten in der stadt und das bedeutete, dass ich und meine geschwister eine deutsche schule besuchen mussten. fuer mich und meine schwester war das fast fatal. wir wehrten uns mit haenden und fuessen und wollten jeden tag viel lieber 3 km zu fuss bis in die kaserne laufen nur um in die amerik. schule gehen zu koennen. doch das kam natuerlich gar nicht in frage. es war kein thema. und meine mom bestand darauf, dass wir die deutsche schule besuchen wuerden und damit basta!

wir gingen in die deutsche schule. es war ein echter horror. und es gab kaum einen tag an dem ich nicht heulend aus der schule kam, denn man liess mich unweigerlich spueren, dass ich nicht dazu gehoerte. was hatte ich als amerikanerin ueberhaupt in einer deutschen schule verloren? ich verstand meine eltern nicht. warum wollten sie mich nicht in die amerik. schule schicken? ich wuerde doch nie in der neuen schule mitkommen, die anderen in meiner klasse machten sich doch nur lustig ueber mich, ich wurde sozusagen ausgestossen, weil ich eben anders war, mit so einem komisch  klingenden namen, und laecherlich aussehender kleidung und man machte sich lustig ueber meine aussprache.

fuer mich war das damals alles andere als leicht und es hat  sehr lange gedauert bis ich von meinen klassenkameraden akzeptiert wurde. nur  ganz langsam nahm man mich in den kreis der klasse auf.

drei jahre vergingen, ich hatte  sehr gute freunde gefunden und fuehlte mich in dem kleinen staedtchen in dem wir wohnten nicht mehr als fremde, sondern ich fuehlte mich richtig wohl  dort.

drei wunderschoene jahre vergingen wie im flug. mein dad hatte wieder orders von Washington bekommen, was bedeutete, dass wir bald wieder nach America zurueck mussten. noch ein halbes jahr konnten wir in deutschland bleiben. nur noch 6 monate. ich waere sooo gerne laenger geblieben, denn ich wollte meine freunde, den ort, die leute die ich gern hatte nicht schon wieder zurueck lassen muessen.  meine eltern beschlossen, dass wir unsere moebel samt hab und gut schon mal einschiffen lassen wuerden. die letzten 6 monate die wir noch in deutschland hatten, wuerden wir in einer kasernenwohnung verbringen. unser mietvertrag fuer unsere stadtwohnung konnte nicht verlaengert werden, da die besitzerin die wohnung fuer ihre tochter brauchte. also blieb und nichts anderes uebrig als “on post” zu ziehen.  unsere sachen wurden also in kisten und kartons gepackt und nach bremerhafen gefahren um von dort aus eingeschifft zu werden. das letzte halbe jahr habe ich dann die amerikanische schule in der kaserne besucht. einerseits war es gut so, damit ich mich sozusagen lernstoffmaessig etwas auf die neue schule in der heimat vorbereiten konnte.

in unserer kasernenwohnung bekamen wir moebel zur verfuegung gestellt. das waren nicht gerade die schoensten teile, aber fuer ein halbes jahr war es okay. wir wohnten im 3. stock  in government housing.wenn wir aus dem wohnzimmerfenster blickten, konnten wir den spielplatz sehen und die commisary. alles eingezaeunt versteht sich.

nun lebten wir also hinter dem maschendrahtzaun. das ganze kasernengelaende war eingezaeunt und es gab 2 tore die bewacht waren. wenn man in die kaserne wollte, musste man einen ausweis und in unserem falle eine ID card vorzeigen koennen.  bis auf meine juengste schwester  hatten wir  alle so einen ausweis, (den erhaelt man ab dem 12. lebensjahr) den ausweis mussten wir immer bei uns tragen,  nicht nur  um das kasernengelaende betreten zu koennen, sondern auch um in den diversen geschaeften einkaufen zu duerfen. mein bruder, meine schwester und ich besassen eine I.D. card (identification card mit unserem foto)

das leben hinterm maschendrahtzaun war gar nicht schlecht, eher etwas ungewohnt.  ich konnte jederzeit ins kino oder shoppen gehen, in der snack bar bin ich mit freundinnen oft  rumgehangen und wir haben die  musicbox immer auf hochtouren spielen lassen , auch konnten wir uns gegenseitig besuchen, und das schoenste war wir hatten gegenseitig “sleep overs”  veranstaltet, und noch vieles mehr….also schlecht fand ich das leben in der amerikanischen wohnsiedlung nicht, auch wenn es hinter einem maschendrahtzaun war. fuer mich war es jedenfalls ” home away from home”

viele kasernen wurden im laufe der 90’er jahre geschlossen. die besatzungstruppen wurden zurueck gezogen.  die kasernenwohnungen und auch die soldatenwohnbloecke (barracks)  standen leer. die stadt hat die wohnungen gekauft, manche gebaeude z.B. die soldatenwohnbloecke wurden abgerissen, die housing wurde umgebaut bzw. renoviert und daraus wurden wohnungen fuer einheimische der stadt gemacht.

von den 50’er jahren bis ins jahr 2000 waren amerikanische soldaten mit ihren familien in deutschland stationiert. ein paar kasernen sind wohl noch offen.

was bleibt ist nur noch die erinnerung an die amerikanische besatzung der 60’er, 70’er,80’er und 90’er jahre.

in dieser zeit entstanden viele deutsch-amerikanische freundschaften. auch partnerschaftsstaedte zwischen den USA und Deutschland.

von den einheimischen wurden wir freundlich behandelt. wenngleich sie uns auch manchmal etwas schief ansahen, wenn wir zum einkaufen mal in die stadt kamen. warum sie uns komisch ansahen? weil viele amerik. frauen mit lockenwickler im haar  und hochwasserhosen die sie damals trugen, durch die geschaefte latschten, meistens mit einer zigarette in der hand, oder kaugummikauend. und die maenner hatten immer das hemd raushaengen. das hat uns den ruf “schlampige amis” eingebracht. ich konnte mich nie erinnern, dass meine mom jemals in lockenwickler auf die strasse gegangen ist. dazu war sie wohl doch noch zu sehr deutsch.

viele einheimische kamen gerne am tag der offenen tuer in die kaserne. das bedeutete, dass deutsche die kaserne mal von innen besichtigen durften. an diesem tag fand das dreitaegige deutsch amerikanische volksfest statt. ich erinnere mich noch gut (und ich habe mich darueber immer amuesieren koennen) wie viele leute mit tiefkuehltaschen zum volksfest gekommen sind. die haben eiscreme in massen gekauft. packungen mit neapolitan ice cream (chocolate, vanilla, strawberry) weil sie unser eis so traumhaft lecker fanden. unsere Hershey’s schokoade hat auch immer grossen anklang gefunden. und toastbrot…..meine guete, ich haette nie gedacht, dass die leute so scharf auf unser weissbrot sein koennten.

was noch sehr begehrt war waren amerikanische zigarettenmarken wie  marlboro, winston und cool. und whiskey, kaffee, tee, usw. doch das gab es nicht am amerikanische volksfest zu kaufen. das musste man sich damals von amerikanischen familien die man gut kannte, besorgen lassen.

kaffee, tee, und alcohol sowie benzin gab es nur auf rationskarten. wer also nicht getrunken oder geraucht hat, hat whiskey, rum, cognac und dergleichen sowie kaffee an deutsche verkauft.

in unserer kasernenwohnung konnten wir nur ein amerikanisches fernsehprogramm und ein radio programm empfangen, naemlich AFN. und was haben wir damals AFN im radio gehoert. meine guete, das war das wichtigste fuer uns. wir haben die charts rauf und runter gehoert. Casey Kasem american top 40 hits….

ich wollte euch jetzt nur mal einen kleinen einblick in mein leben damals in deutschland vermitteln. ich habe ein paar links, da koennt ihr noch einiges ueber das kasernenleben nachlesen. und ein paar videos habe ich auch gefunden. ich hoffe ihr koennt sie bei euch drueben sehen.

America in Augsburg: http://www.amerika-in-augsburg.de/index.php?id=1403

die wohnsiedlungen: http://www.amerika-in-augsburg.de/index.php?id=1476

sonstige einrichtungen: http://www.amerika-in-augsburg.de/index.php?id=1514

unterhaltung in der kaserne: www.amerika-in-augsburg.de/index.php?id=1436

good-bye americans: http://www.amerika-in-augsburg.de/index.php?id=1404

 

 

 

Leighton Barraks in Wuerzburg

 

deutsch amerikanisches volksfest

 

tag der offenen tuer:

 

 

Advertisements

9 thoughts on “DAS LEBEN HINTERM MASCHENDRAHTZAUN

  1. Das war interessant zu lesen. Und ich glaube, das mit der “Ausgrenzung”, kann man gut mit dem Sprichwort “Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht”, beschreiben. Das ist in dem Fall nicht nur auf das Essen bezogen.
    Sobald du anders aussiehst, anders lebst, behindert bist oder manchmal auch nur aus einer anderen Gegend in Deutschland kommst, wirst du oft erst mal “schief” angesehen. In Deutschland ist das vielleicht besonders ausgeprägt.
    Mit dem Toastbrot könntest du mich übrigens nicht locken. In Asien habe ich mir dann gebratenen Reis zum Frühstück vorgezogen…das asiatische Frühstück. Bis wir einen französischen Bäcker gefunden hatten. 😉

    Liebe Grüße
    Ute

  2. Liebe Sammy,
    danke, daß du uns an deinen Erinnerungen teilnehmen läßt – war interessant zu lesen. Gut, daß eure Mutter drauf bestand, daß ihr die deutsche Schule besuchen mußtet. Ich finde es toll, daß du alles so behalten hast und heute noch so gut deutsch schreibst!!!
    Liebe Grüße
    Hanni

  3. Du hast ja schon öfter über deine Zeit in Deutschland geschrieben.
    Da glaub ich gern, dass die Deutschen scharf auf Toastbrot waren, grins.
    Die kannten doch nur Graubrot und Kasseler Brot. Ok, Stuten gab es auch. Aber solche vorgefertigten Scheiben gab es einfach nicht.
    Dass ihr ausgegrenzt wurdet, ist leider zu verstehen. Obwohl, als bei uns eine aus Brasilien kam, die haben wir sofort akzeptiert.
    Da sind echt Frauen mit Lockenwicklern im Haar rumgelaufen?, Draußen und in Geschäften? Das ist aber echt doof. Da würde ich auch irritiert schauen.

    Schade, dass das Ganze eingezäunt sein musste. Prima, deine Überschrift von wegen Maschendrahtzaun, lach.
    Ganz liebe Grüße
    deine Bärbel

  4. Danke für den informativen Bericht und die Videos. Für mich ist das auch deshalb sehr interessant, weil es mich an eine Zeit, anfangs der 80er-Jahre erinnert. Da habe ich nämlich ca. 2 Jahre lang ziemlich direkt neben solch einer amerikanischen Kaserne gewohnt, in Oberursel. Ich hatte zu der Zeit leider keinen direkten Kontakt zu dem Menschen dort. Aber irgendwie empfand ich damals diesen Ort wie eine gut geschützte Insel, in der man sich geborgen fühlen könnte.
    Ich freue mich, deinen Blog gefunden zu haben und werde wohl jetzt öfter mal hier rein schauen und ihn auch in meinem verlinken.

    Liebe Grüße – zur Zeit aus dem Schwarzwald in Baden-Württemberg
    Ehra

  5. na klar hat dich das Leben in Deutschland auch geprägt und nun bist du bestimmt ganz lieb und brav, wünsche dir einen schönen Tag, Klaus

  6. Interessant war das zu lesen. Für uns deutsche Kinder waren die Einkaufsmöglichkeiten in euren Läden das Paradies. Damals gab es ja bei uns das alles noch nicht so bzw. es war alles sehr sehr teuer. Für dich als Kind war es sicher oft nicht leicht. Wie gut, dass die schönen Erinnerungen besser haften bleiben als die schlechten.

    Übrigens Sammy, dein Passwort habe ich nicht bekommen. Ich habe noch das alte und das funktioniert nicht mehr.

  7. Liebe Sammy, ein Leben in Deutschland ist ja mit Amerika gar nicht vergleichbar.
    Mein Mann hat früher in Frankfurt gelebt und dort viele amerikanische Freunde gehabt.
    Was in den 70er und 80ern erkämpft wurde, wird nun von kleinen Regierungsparteien wieder umgekippt.
    Deutschland entwickelt sich zurück… ich hoffe wir landen nicht wieder auf den Bäumen *lach*
    Hört sich lustig an, ist aber leider wirklich so.
    Du hast als ganz junger Mensch vieles erlebt, das kann dir heute keiner mehr nehmen und die Erinnerungen sind wie vieles im Leben mal gut und mal nicht so gut.
    Ich denke alles in allem war es doch eine gute Jugend.
    Heute würdest du ein anderes Deutschland vorfinden.Nicht besser, nicht schlechter (oder doch?) ein anderes Deutschland eben.
    Sehr gewaltbereit, einerseits arm, andererseits reich, die Mittelschicht fällt langsam aber sicher weg und eben multikulti,
    dazu eben keine amerikanischen Soldaten mehr da.
    Viele Alte schimpfen auf die Amis, haben aber ganz vergessen das viele Amis den Deutschen nach dem Krieg geholfen haben. USA ist eben die Weltpolizei und deshalb in einem ungünstigem Licht geraten.
    Mein Mann erzählt immer wie er als Kleinkind, er wird 70, von den USA Soldaten Schokolade bekommen hat…. er würde heute liebend gerne in den USA leben… zu spät!

    Wir futtern gerade Sarotti Herzkirschen.
    Früher hiessen die Sarotti Mohr… und der Mohr darauf war schwarz. Heute ist er beige… Politisch korrekt… gewünscht. 😉

    Der Deutsche lässt sich eben alles gefallen, solange es ihn nicht grossartig persönlich betrifft und wenn es von “Oben” angeordnet wurde erst recht. Obrigkeitsgefühl eben!
    Andere Völker liessen sich etliches nicht gefallen.

    Die Links kann ich leider nicht ansehen WOT meldet schlechte Seiten und die Videos sind nur direkt bei Yo*tube sichtbar.
    Alles in Deutschland verboten 😉

    Lass dich nicht schrecken – das hab ich auch nicht vor.
    Erlebe Deutschland in deiner Erinnerung.

    Ich grüsse dich von Herzen – das ist deutsch geblieben ♥
    kkk

  8. Das war ja interessant zu lesen. Mein Vater war bei der Bundeswehr und wir haben immer in Bundeswehrwohnungen gelebt. Das war ohne Zaun, aber in den Wohnblocks durften nur Soldaten mit ihren Familien wohnen.
    Da hast du als Kind ja jede menge erlebt.
    LG Gabi

sag was dazu

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s