HARLAN, KENTUCKY

unsere shotgun oma kommt gebuertig aus Harlan County, Kentucky.

ihr elternhaus war das letzte haus oben auf dem berg der ueber die grenze nach Virginia fuehrte, oder wie sie es nennt: Virginie

oma hat uns viel aus ihrer kindheit-und jugendzeit erzaehlt. sie musste barfuss in die schule gehen, da ihre eltern (ihre mutter eine indianerin, ihr vater farmer) kein geld hatten um 8 kindern schuhe zu kaufen. oma ist nur bis zur 3. klasse in die schule gegangen, danach musste sie auf der farm mithelfen.

in Harlan county ging es damals sehr hart zu. die lebensumstaende waren zum verzweifeln. oma lernte schon sehr frueh mit einem schiessgewehr umzugehen. was sie immer besonders betont wenn sie uns von damals erzaehlt ist, dass sie sich so sehr vor farbigen menschen gefuerchtet hat, die an ihrem elternhaus vorbeizogen und um ein bisschen buttermilch mit maisbrot baten, bevor sie die grenze nach Virginia ueberschritten. und nicht nur maisbrot und buttermilch wurden geschmuggelt, auch moonshine (white lightning, whisky) und dafuer sass der vater von unserer shotgun oma auch schon zweimal im gefaengnis weil er beim schmuggeln erwischt wurde. das naechste delikt bei dem er verhaftet wurde, war, weil er aus wut das haus von seinem nachbarn abgtebrannt hatte. denn der hatte vergessen seine kuehe von der weide zu holen.

in Harlan und manch anderen gegenden riecht das trinkwasser das aus dem wasserhahn kommt, nach schwefel und es schmeckt auch so. ich war noch nie in Harlan aber ich war schon mal in Copper Creek und da gab es auch so stinkiges wasser. ich konnte das beim besten willen nicht trinken und waere lieber verdurstet als daran zu ersticken.

in Harlan sind die familienbande sehr stark und wenn ein fremder in die gegend kommt, muss er einen triftigen grund aufweisen koennen um sich dort auf halten zu koennen. derjenige der da nicht hingehoert, wird oftmals mit dem schiessgewehr bedroht. wenn einem familienmitglied unrecht getan wird oder es sich jemand erlauben sollte, die familie anzugreifen, wird umgebracht. es gibt ein bekanntes lied, das heisst “you’ll never leave Harlan alive”

oma lebte in einer alten blockhuette, das keinen richtigen fussboden hatte, d.h. da waren ritzen im boden und imwinter kam der schnee von unten durch. tapeten hatte ihr haus auch nie, man nahm seiten aus einem katalog und tapezierte die waende damit. oma’s vater wurde einige male erwischt als er selbstgebrannten moonshine ueber die grenze nach Virginia schmuggelte. zweimal musste er deswegen ins gefaegnis.

wenn oma uns das so erzaehlt dann kann ich immer nur ganz unglaeubig gucken. sie erzaehlt uns wie sie mit ihrer familie einen root cellar angelegt hat, um dort speisen aufzuheben, denn einen kuehlschrank hatten sie ja nicht.

in den bergen von Harlan geht die sonne erst morgens um 10 uhr auf und um 3 uhr nachmittags geht sie schon wieder unter. es ist so trostlos dort. ich koennte euch noch so einiges erzaehlen, aber ich will euch nicht mit so einem langen text hier langweilen.

unsere shotgun oma moechte dass  ihrer tochter, ihrem sohn und meinem mann und mir mal zeigen wo sie als kind und jugendliche  gelebt hat. wir hatten das ja letztes jahr schon mal vor mit ihr dahinzufahren, damit sie ihre alte heimat noch mal sieht. nun plant mein mann die oma und meine schwiegermutter dort hinzufahren trotz starken abratens meines schwiegervaters. er meinte das sei zu gefaehrlich. mit den leuten dort sei nicht zu spassen.

ich fahre auf jeden fall nicht mit. ich moechte nicht dort hin und keine 10 pferde wuerden mich je dazu bringen nach Harlan zu fahren. mir graut es vor solchen orten. und ich moechte nicht noch erschossen werden 😯 fremde sollten sich diesem ort lieber fern halten. aber ich kann meinen mann einfach nicht ueberreden, da nicht hinzufahren, er meint  er haette es der oma schon so lange versprochen, er will sie auf ihre alten tage jetzt nicht enttaeuschen und nun faehrt er auch….und ich bange bis sie wieder zurueck sind. also  diesen landkreis in Kentucky der schon an Virginia grenzt, den meide ich wann immer es geht. ich habe da ganz bestimmt nichts verloren. mich zieht es auch nicht unbedingt nach Kentucky.

 

 

 

 

 

 

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9 thoughts on “HARLAN, KENTUCKY

  1. Solche Geschichten von früher sind immer sehr spannend. Ich hoffe mal nicht, dass in der Heimat der Oma noch immer so schnell geschossen wird.
    Grüßle Bellana

  2. Das ist ja eine spannende Lebensgeschichte. Ich habe mich schon immer über den Spitznamen Deiner Oma gewundert. Aber nun ist das ja erklärt. Verständlich, dass man in solch einer Gegend früh lernt, mit einem Gewehr umzugehen. Das war sicher auch eine gewisse Art von Selbstschutz.
    Dass Dein Mann der Oma gern den Gefallen tun möchte, sie noch einmal in ihre alte Heimat zu fahren, kann ich gut verstehen. Ob ich allerdings da würde mitfahren wollen, möchte ich dann doch bezweifeln. Ich will doch hoffen, dass sie alle gesund und munter wiederkommen.
    Liebe Grüße von der Silberdistel

  3. Oha, das ist ja spannender als jeder Film. Ich hab meiner Oma auch immer gern zugehört, wenn sie Geschichten von früher erzählt hat. Ihr ging es ähnlich. Nur das auf jeden schießen, der dort nicht hingehört, das war hier zum Glück etwas anders. Allerdings hast du auf kleinen Dörfern auch oft Mühe, als Fremder “anzukommen”.
    Deinem Mann viel Glück, dass sie gesund wieder nach Hause kommen.
    LG
    Ute

  4. Das sind richtig schöne Geschichten, die die Oma zu erzählen weiß.
    Meine Oma kannte in ihrer Jugend noch keinen Schlüpfer.
    Also ähnelt sich das Ganze doch irgendwie.
    Auf dem Land war es hier vermutlich nicht viel anders, um die Zeit damals.
    Ok, das mit den Schießgewehren schon. Sowas gibt es hier zum Glück nicht so ohne weiteres…
    Danke für diesen tollen Bericht, liebe Sammy.
    Meinst du wirklich, dass einfach auf Fremde geschossen wird?
    Das wäre aber echt mehr als eigenartig.
    Ich drücke die Daumen, dass deine Lieben heil wieder heimkehren können.

  5. Wow, jetzt weiß ich, warum die Oma “Shotgun Oma” heißt :mrgreen:
    Jesses, das klingt ja alle nach einem Gemisch aus Quentin Terentino und Western. Was für ein Leben.
    Da würde ich auch nicht hinfahren wollen 🙄

  6. Der Film ist ja schon eine sehr dramatische und dunkle Stimmung. Wobei die Natur sehr schön aussieht. Aber ich kann Deine Oma verstehen, dass sie gerne ihre Heimat besuchen möchte und ich finde es schön, dass Dein Mann ihr diesen Wunsch erfüllen will. Ihnen wird schon nichts passieren, sie haben doch einen triftigen Grund da hinzufahren.
    Seil lieb gegrüßt von:
    Beate

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