OMA IST IMMER DABEI, 2. TEIL

unsere oma ist gerne unterwegs, das war schon immer so.

als sie mich vor 28 jahren kennenlernte und erfuhr, dass ich aus Californien stamme, musste sie unbedingt mal eine reise dorthin unternehmen. ist ja seeeehr weit, aber oma war damals auch noch viel juenger und viel besser drauf als heute, sie konnte laufen, auto fahren. ueberall hinfliegen, mit oder ohne familie. wenn ihre familie nicht mitwollte, na gut, dann ist sie eben alleine geflogen oder gefahren, solche sachen haben sie nie an ihrem vorhaben abgehalten. oma hat schon immer nur das getan was “sie” wollte und hat sich einen schei**dreck darum gekuemmert was die familie wohl dazu sagen wuerde….
oma war also schon immer eine reisetante…..

wenn ich aber jetzt daran zurueck denke als ich unsere shotgun oma zum allerersten mal kennenlernte, waren wir gar nicht so gut aufeinander zu sprechen, denn irgendwie nahm die oma mir mein deutsches blut uebel, sprich: weil ich eine deutsche mutter hatte….und auf die deutschen war sie nicht so gut zu sprechen. sie dachte eben nur an die nazi zeit.

es dauerte sehr lange bis ich zur oma den richtigen draht fand. sie war sehr abweisend mir gegenueber. aber wir haben uns  so nach und nach, erst telefonisch, dann schriftlich und dann wieder ganz persoenlich kennengelernt. mit den jahren haben wir uns dann immer etwas besser verstanden, wenn mir auch ihre grobe art manchmal etwas missfiel, aber ich weiss ja wieso und warum sie so ist. das ist eben ihre art und damit kommt sie nicht bei jedem gut an.

so richtig kennengelernt haben wir uns erst vor 5 jahren, naemlich als wir von NC (North Carolina) nach Ohio gezogen sind. ich war diejenige, die sich immer um oma gekuemmert hat, denn mit oma’s gesundheitszustand ging es nach und nach bergab. ich war zu ihr wie eine tochter und das hat sie nicht vergessen. seitdem hat es wohl auf beiden seiten  “klick” gemacht. die boesen schimpfworte von damals waren schnell vergessen. ich habe vieles aus ihrem leben kennengelernt und sie aus meinem. wohlgemerkt, oma kommt aus den “hills” und das allein ist schon mal eine ganz andere welt, die mir total fremd ist.

aber lange story, kurzer sinn: oma reist auch heute noch gerne mit ihren 96 jahren, obwohl sie kaum noch laufen kann. aber die laesst sich von keinem ihrer vorhaben abbringen. ja, das ist unser oma. und vor kurzem als wir mit ihr in Kentucky waren, habe ich erfahren, dass sie einen spitznamen hatte, naemlich Bill. alle nannten sie wild Bill. unser indianeroma mit dem schiessgewehr. ist in Harlan nur als “Bill” bekannt.  ihre mutter war uebrigens ein halbblut -Cherokee.

heute moechte ich euch den rest der bilder zeigen, die wir in Ky. aufgenommen haben. wie gesagt diese gegend von der oma kommt ist eine mir total fremde welt. ich koennte  niemals  dort leben. es ist eine ganz andere lebensart, mentalitaet, dort wohnen noch viele ” moonshiner”, und die sind sehr misstrauisch fremden gegenueber und schiessen gerne wenn man ihnen zu nahe kommt.

davon abgesehen, dass ich nur jedes 3.wort verstehe was die da unten im tiefsten sueden von Ky. in ihrem kauderwelsch reden, muss ich dennoch sagen, dass wenn man diese leute naeher kennenlernt, sind sie sehr gastfreundlich und zuvorkommend. wir waren ja auch mit der oma da, die diese leute noch zum groesstenteil kennt und wir brauchten keine angst zu haben dass uns was passieren wuerde.

oma erzaehlt sehr viel von ihrer kindheit und jugendzeit, von ihrer grossen familie, ihren 5 schwestern und 2 bruedern die sie hatte und wenn ich sie so erzaehlen hoere, muss ich immer wieder den kopf schuetteln, weil ich mir so ein leben gar nicht vorstellen kann. sie musste wasser aus der quelle holen und den berg hochschleppen damit die familie trinkwasser hatte. die waesche wurde im bach gewaschen, das haus war ohne farbe, kein strom, kein fliessendes wasser. oma besass nur 2 kleider und keine schuhe. sie musste den weg zur schule barfuss zurueck legen. das haus bestand nur aus zusammengenagelten brettern wo der schnee im winter durch die ritzen und den fussboden kamen. als tapete dienten bilder aus einem katalog.  der fussboden wurde mit sand gekehrt und somit gesaeubert. ach ich koennte euch so viel ueber oma’s leben erzaehlen, das wuerdet ihr mir gar nicht alles glauben, denn es klingt so unglaublich. ich konnte es selbst kaum glauben.

aber wir sind zu all den orten an denen sie je gelebt hat hingefahren und haben ihre vergangenheit die sie dort erlebt hat, noch mal kurz aufleben lassen. es war die groesste freude die wir der oma ueberhaupt machen konnten. sie war so dankbar,. dass wir mit ihr bis nach Harlan gefahren sind.  war schon eine ganz schoen weite strecke, aber sie hat sich nie beklagt.

naechsten monat wird die strecke noch viel laenger werden, aber oma ist schon wieder startklar. sie haelt die 12 stunden fahrt nach Georgia gerne aus, um dort mit ihrer tochter thanksgiving feiern zu duerfen…

zum vergroessern einfach bilder anklicken!

oma mit ihrer nichte

hillbilly house

kaylee zeigte uns waldfruechte

picnic mit oma im park

landschaft von harlan, kentucky

oma's nichten in Kentucky

und ich habe nur eine kastanie (buckeye) gefunden

waldwanderung in ky

wildflower

waldgrundstueck  das dem onkel meines mannes gehoert

waldszene

oma mit Ellen ihrer nichte

lump of coalellen's house

waldimpressionen auf einem 200 hektar grundstueck

morgen lade ich die restlichen bilder hoch und dann zeige ich euch den 3. teil von Kentucky

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9 thoughts on “OMA IST IMMER DABEI, 2. TEIL

  1. Liebe Sammy, von meiner Oma weiß ich, dass die keine Schlüpfer kannte in ihrer Kindheit und Jugend.
    Also irgendwie ähnlich gelagert, lach.
    Auf alle Fälle hat eure Oma diese Kindheit stark gemacht.
    Sie kann eigentlich nichts erschüttern.
    Sie liebt das Leben, das merkt man an allem.
    Noch gute Zeiten zusammen mit der tollen Shotgun-Oma ♥
    Bärbel

  2. Klingt richtig interessant, dein Reisebericht mit der Oma. Ich gehe dann gerne in Gedanken mit und versuche mir vorzustellen, wie es gewesen ist.
    Reisen ist auch etwas tolles. Ich hoffe auch auf noch viele Gelegenheiten, reisen zu können.
    Die Probleme mit Schwiegermuttern kenne ich auch. Ich habe das nicht so gut in den Griff bekommen wie du. Deshalb hast du meinen ganzen Respekt, dass du es geschafft hast, gut mit ihr auszukommen.

    LG, Ehra

  3. Eure Oma ist total cool!!!
    Ich freu mich immer auf deine Berichte.
    96 Jahre alt und immer noch will sie reisen.
    Andere dösen im Sessel, Shutgun Oma ist unterwegs. 🙂

    Hoffentlich werden ihr noch ein paar schöne Jahre gegönnt!

    Liebe Grüsse ♥
    kkk

  4. Schön dass ihr zueinander gefunden habt und ich höre auch gerne zu, wenn alte Menschen aus ihrem Leben erzählen. Interessant und man kann immer was lernen.
    Liebe Grüße
    Ute

  5. Irgendwie erinnert mich dein Bericht an den Wilden Westen 🙂 Alle Achtung vor eurer Oma, toll was sie alles noch mitmacht. Die Bilder sind schön und Oma schaut immer lustig und zufrieden aus.

  6. Ich finde das einfach klasse, wie die Oma drauf ist!!! In diesem Alter, einfach klasse! Es gibt so viele alte Menschen, die nur jammern und klagen, und eure Oma ist einfach toll!
    Viele liebe Grüße
    Linda

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